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Überschwemmung im Sozialzentrum „Vidigal“.
Am 17. November 2008 kam die „Sintflut“ - alle Kinder sind wohlauf!
17. November 2008: Es beginnt heftig zu regnen. Das Wasser kann am steilen Hang in der Favela Vidigal nicht mehr abfließen, staut sich auf und bahnt sich den Weg mitten durch das Gebäude unseres Sozialzentrums. Die Schwestern berichten von Wasserständen über 1 1/2 Metern, die Kinder werden auf die Tische gestellt, im Speisesaal bildet sich ein Wasserfall.
Mutige Hände bergen Kinder und Material. Isomatten, Betttücher und –decken, Tische, Stühle, Regale, Geschirr und Schränke werden zerstört.
Fenster und Türen sind beschädigt, der Kühlschrank defekt. Alle Gardinen sind ein Raub der Fluten und alle Lehrmaterialien unbrauchbar.
Bericht von Conny Warsitz
Rio de Janeiro, 19.11.2008
Überschwemmung im Gemeindezentrum Centro Comunitario São Francisco de Assis in Vidigal.
Heute morgen war ich in Vidigal, um mir persönlich von den Ereignissen berichten zu lassen und den Schaden anzusehen. Das, was ich gesehen und gehört habe, war erschreckend.
1. Regenfall
Am Montagnachmittag, dem 17.11.08, gegen 16:00 Uhr begann ein starker Regenfall, wie wir diesen von der Regenzeit kennen. Es kamen die ersten Eltern, um ihre Kinder von der Kindertagesstätte abzuholen.
2. Was geschah
Der Regen war so stark, dass in kürzester Zeit ein reißender Bach, der vom Berg herunterschwoll, in unser Zentrum über die Eingangstür, die zum Ambulatorium führt, herunterquoll. In wenigen Minuten stand der Versammlungsraum unter Wasser. Das Wasser suchte einen Ausweg und lief die Treppen hinunter, der Spielplatz stand in kürzester Zeit unter Wasser.
Die Kinder in den beiden untersten Gruppensälen waren in Gefahr zu ertrinken. Die Väter und Joao, unser Hausmeister sind sofort heruntergerannt und haben ein Kind nach dem anderen aus den Wassermassen herausgetragen. Dank deren Umsicht ist kein Kind ertrunken.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich insgesamt 24 Kinder im Alter von 3 – 4 Jahren in den Gruppenräumen.
3. Ursachen
Das Wasser kam deshalb mit solch einer Kraft vom Berg herunter, weil in den oberen Häusern anscheinend die Besitzer ein Kinderrad, ein Sofa, Matratzen in den Wassergraben geworfen haben und dadurch der Abfluss verstopft war. Das Wasser sucht sich einen anderen Ausweg und quoll mit voller Gewalt auf die andere Straßenseite und in unser Haus.
4. Klärung der Situation
Ein Anwohner hat sich irgendwie angeseilt und sich in den Graben heruntergelassen, um die Gegenständen wegzuräumen. Er sagte, dass er sogar mit sanitären Abflüssen zu kämpfen hatte.
Viele Eltern und Anwohner haben sich noch am Abend zusammengetan und in einer gemeinsamen Aktion die schlimmsten Schäden, Schutt, Müll, aus dem Gebäude und von der Straße weggeräumt.
5. Situation heute
Die Reinigungsmaßnahmen halten an. Gestern waren vier unserer Arbeiter im Zentrum, um bei der Entstopfung verschiedener Abflüsse zu helfen und Strom, Wasser und Gasanschlüsse zu überprüfen.
Gott sei Dank hat Joao, der Hausmeister, geistesgegenwärtig die Glastür, die zum Spielplatz führt, mit Gewalt aufgebrochen, damit das Wasser auf den Spielplatz ablaufen konnte. Sonst hätte das Wasser die Stromverteilungsstelle erreicht, was größere Schäden an Mensch und Material hätte herbeiführen können.
6. Schäden
Die größten Schäden sind im unteren Bereich der Kindertagesstätte festzustellen. Die beiden Gruppenräume, der Speisesaal und ein kleiner Saal müssen renoviert werden. Die Decken sind feucht, der Putz blättert ab, sodass einer neuer Anstrich notwendig wird.
In den Gruppensälen sind vor allem Tische, Stühle und Schränke durch das Wasser zerstört worden.
Im Speisesaal sind ebenfalls Tische und Stühle in Mitleidenschaft gezogen worden, Gott sei Dank konnte der Kühlschrank gerettet werden, obwohl dieser vom Wasser hochgehoben und an die Spüle gedrückt wurde.
7. Situation heute
Die Reinigungsmaßnahmen halten an. Alle Angestellten wurden angehalten auch an den Tagen, an denen die Kinder nicht den Kindergarten besuchen können, zur Arbeit zu kommen, um bei den Aufräumungsarbeiten zu helfen.
8. Planung
Carmen, Pädagogin, war gestern und heute in Vidigal und hat bereits überlegt, wie der Kindergartenbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Sie denkt daran in der kommenden Woche, voraussichtlich bis spätestens kommenden Mittwoch, die Kinder wieder in unseren Räumen zu betreuen. Dazu wird sie bisher nur teilweise benutzte Räume als neuen Gruppenraum ganztägig nutzen, so den Gruppenraum neben dem Büro von Terezinha, der Leiterin des Zentrums, und den Raum, der für den Näh-und Zuschneidekurs reserviert ist.
9. Lebensretter
Als Lebensretter wird vor allem Joao genannt, Paulo und einige Väter, die nicht müde wurden, treppauf und treppab zu rennen, um die Kinder zu retten.
Verschiedene Personen haben mir gesagt, wenn das Unwetter mittags passiert wäre, als die Kinder schliefen, hätten wir sicher einige Tote zu beklagen gehabt, denn es wäre keine Zeit gewesen, alle Kinder zu retten.
Mit herzlichen Grüßen
Conny
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